TSV Lustnau 1888
TSV Lustnau 1888

Unfassbar! Später Ausgleich und die Elfmeter versenkt

Der TSV Lustnau II bleibt ein weiteres Jahr in der B-Liga. Doch was sich am gestrigen Abend vor 300 Zuschauern in Öschingen abspielte, umfasste alles, warum wir den Fußball lieben. Es war zwar alles andere als ein gutes Spiel, zwischem dem B-Liga-Drittletzten TSV II und dem C-Liga-Zweiten Hellas FC Tübingen, doch war es eine Partie, die an Spannung nicht zu überbieten war. Wie eben so oft in solch entscheidenden Spielen. 

 

Coach Uwe Dreher hatte auf einige altbewährte Kräfte gesetzt, die zuletzt aus Gründen des Studiums nur selten zum Einsatz kamen. So standen beispielsweise Konstantin Huber oder Tobias Nick in der Startelf. Und der TSV war in der ersten Hälfte auch die bessere Mannschaft. Es dauerte zwar einige Minuten, bis das Team die Nervosität abgelegt hatte, doch dann entsprangen die ersten guten Tormöglichkeiten.

 

Das Tor fiel jedoch auf der anderen Seite: TSV-Keeper Eric Maier unterschätzte einen langen Ball, der auf dem klitschigen Rasen aufsetzte, und verlängerte den Ball weit außerhalb des Straufraums mit dem Kopf in Richtung des eigenen Tores. HFC-Stürmer Georgios Pesiridis war durchgesprintet, erreichte den Ball kurz vor der Außenlinie und schob ins leere Tor (31.). Allerdings muss auch gesagt sein, dass Maier beim Stand von 1:2 aus TSV-Sicht in der 115. Minute glänzend parierte, als gleich drei HFC-Spieler alleine vor ihm auftauchten.

 

Die Blauen, die in den selben Trikots wie beim Relegations-Aufstieg 2010 kickten, ließen sich vom Rückstand aber nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Nur zwei Minuten später glich der TSV mit einem herrlichen Volleyschuss von der Strafraumkante durch Raphael Vetter nach einem abgewehrten Eckball zum 1:1 aus. Anschließend hielt der HFC-Keeper seinem Team mit Glanzparaden gegen Konstantin Huber (39.) und Tobias Nick (42.) das Remis fest.

 

In der zweiten Hälfte schwanden bei beiden Teams zusehens die Kräfte und der TSV dezimierte sich auch noch selbst. Der eingewechselte Uli Weimer, der mit seinem ersten Ballkontakt noch eine dicke Chance hatte, trat gegen einen Abwehrspieler nach und sah nur zehn Minuten nach seiner Einwechselung die rote Karte. Die Entscheidung des gut leitenden Schiedsrichters war richtig, daran gab es keinen Zweifel. Doch mit der Hinausstellung läutete der TSV seine beste Phase in einer dennoch schwachen zweiten Hälfte ein. Doch in Unterzahl ging Lustnau kein Risiko mehr und wollte letztlich in die Verlängerung.

 

Nun waren Krämpfe auf beiden Seiten angesagt - spielerisch kam von beiden Teams nicht mehr viel. In der 109. Minute grätschte Sebastian Weitz dann im eigenen Strafraum, spielte den Ball und den Gegner. Der Schiedsrichter gab Elfmeter: eine strittige, aber nicht gänzlich falsche Entscheidung. Keeper Eric Maier war dran, doch der Ball gleitete unter ihm hindurch ins Netz.

 

Sofort schnappte sich Alex Jöchner den Ball und setzte damit ein Zeichen. Der TSV sollte noch leben. Allerdings hatte der HFC durch die sich nun bietenden Räumen seine Freiräume und einige brauchbare Möglichkeiten. Fünf Minuten vor dem Ende sah HFC-Akteur Theodoros Prasidis die gelb-rote Karte - er hatte binnen weniger Sekunden zunächst den Ball weggeschlagen und dann gemeckert. Zusätzlich wechselte der HFC seinen von Krämpfen geplagten Angreifer Patrick Haag, der den TSV zuvor durchaus vor Probleme stellte, aus. Es sollte sich rächen.

 

Tobias Nick übernahm noch einmal die Initiative, vernaschte im gegnerischen Strafraum HFC-Verteidiger Nizar Bou-Sandal und legte von der Außenlinie nach innen. Tilman Klein verpasste mit der Hacke, doch Kilian Huber hatte sich am langen Pfosten davon geschlichen und schoss in der 118. Minute zum 2:2-Ausgleich ein. Der TSV II hatte den bevorstehenden Abstieg erst einmal abgewendet, mit mehr als einem Bein war man schon in der C-Liga. Doch der TSV hatte in der dritten Minute der Nachspielzeit sogar noch den Sieg vor Augen, als erneut Nick im Strafraum zum Schuss kam, HFC-Keeper Antonios Martharis jedoch noch zur Ecke ablenken konnte.

 

Das Elfmeterschießen musste entscheiden. Und beide Teams schossen stark. Kapitän Alex Schmid eröffnete für Lustnau, Max Grupp folgte - unter Anfeindungen der vielen HFC-Fans, die den TSV-Stürmer ausgepfiffen hatten. Der zweite HFC-Schütze sollte an TSV-Keeper Eric Maier scheitern. Doch der dritte Lustnauer Schütze Sebastian Weitz scheiterte ebenfalls. Es ging weiter: Tobias Nick und der bereits zuvor gut spielende Fatih Artar verwandelten, die HFC-Schützen auch. Nach jeweils fünf Elfmetern war noch keine Entscheidung gefallen.

 

Alex Jöchner traf trocken links oben, Frieder Erne zeigte ebenfalls keine Nerven und schoss in die Mitte. Dann lief HFC-Rechtsverteidiger Konstantinos Georgoussidis zum Punkt, dem es zuvor gelang, vier falsche Einwürfe zu produzieren. Und er patzte erneut. Der Schuss ging einen halben Meter am linken Torpfosten vorbei - der Jubel des TSV kannte keine Grenzen mehr. Der vor einigen Wochen nicht mehr für mögliche Klassenerhalt war geschafft. Dank sieben Punkten aus den letzten vier Saisonspielen und einem Relegationsspiel, welches so schnell niemand mehr vergessen wird.

 

"Ich bin einfach nur stolz auf die Truppe", sagte TSV-Trainer Uwe Dreher, der gleichzeitig einen Dank an alle Akteure aussprach, die in den letzten Wochen und bei der Relegation nochmals ausgeholfen hatten. Interimscoach Dreher, der fünf Spieltage vor Schluss von Ivan Puhanic übernommen hatte, wird sich nun in den Ruhestand verabschieden. Cesare Lupo übernimmt die Mannschaft. Der HFC Tübingen war kein einfacher Relegationsgegner, präsentierte sich im Offensivspiel phasenweise sehr gefährlich. Und was mit dem strömenden Regen in Öschingen begann, wurde zum Happy-End für die zweite Mannschaft unseres TSV.

 

So spielten sie:

TSV II: Maier - Alex Schmid - Jöchner, Steffen Schmid (90. Kilian Huber), Frieder Erne - Artar, Weitz, Vetter (111. Klein), Nick, Konstantin Huber (58. Weimer) - Grupp.

 

HFC Tübingen: Martharis - Georgussidis, Zilelis (77. Anestis), Bou-Sandal, Zournatzis - Tsigaras, Pesiridis, El-Ghabi (45. Konstantionos Totskas), Sawas Totskas, Prasiadis - Haag (118. Habassi).

 

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